Die Sache mit dem Boot...


Wie das mit Jungspunden immer so ist, gibt es gute Tage und schlechte Tage.
An guten Tagen läuft es, das Training zeigt spürbare Erfolge, der Hund geht brav bei Fuß, auch unter Ablenkung, gibt geklaute Sachen bei der ersten Aufforderung wieder ab, die Tricks werden sauber abgespult, frustriertes Bellen, aus was für Gründen auch immer, werden auf ein Minimum reduziert und die Leute, die begrüßt werden müssen (also ALLE!), werden nur mit halber Kraft angesprungen.

Solche Tage sind toll, ich liebe sie!
Sie geben mir das Gefühl etwas Sinnvolles aus dem jeweiligen Tag gemacht zu haben und noch ein kleines Stück weiter als Mensch - Hund - Team und auch insgesamt als Rudel, zusammengewachsen zu sein.

Dann gibt es die Pubertiertage.
Die sind, gelinde gesagt, nicht so toll. Die sind teilweise so wenig toll, dass man so ein Pubertier am liebsten irgendwo "freilassen" oder auf dem Basar verscherbeln würde.
Macht man ja nicht, aber in der Wut über die Untaten und seine eigene Unfähigkeit darf man schon mal fantasieren.

Ich liebe meine drei Fusselbirnen, jeder der mich kennt weiß das und kann das auch glaubhaft versichern. Aber manchmal, wenn sie mal wieder was besonders Blödes angestellt haben, treiben sie mich zum Wahnsinn und ich schäme mich auch nicht, das zuzugeben.
Dass mich das zu einem schlechteren Frauchen macht finde ich nicht, ich bin maximal ein ehrliches Frauchen und zeichne nicht nur rosige Bilder von den ach so braven, süßen und heiß geliebten Hunden.
Nein, wenn sie richtig blöden Blödsinn anstellen, entfährt mir auch schon mal so etwas wie:
"Hört jetzt gefälligst auf mit dem Scheiß oder ich mach euch zu Döner - Tieren!" oder auch:
"Mein Gott! Es kann doch nicht wahr sein! Jetzt geht's ab ins Tierheim!"

Wir waren es nicht. Sind süß und so...

Da alle drei noch leben und auch nicht im Tierheim sitzen (Wobei ich weiß, dass es ihnen in unserem örtlichen TH an nichts mangeln würde. An dieser Stelle Chapeau!), ist also davon auszugehen, dass es mir entweder an der nötigen Konsequenz mangelt, meine Drohungen in die Tat umzusetzen oder ich einfach versuche, meine Kröten zur Raison zu bringen, wie eine überforderte Mutti, die bis drei zählt.

Anbei ein schönes Beispiel für einen Pubertiertag...

Es ist Sonntag, die Sonne scheint, der Himmel zeigt ein herrliches Azurblau, kaum ein Wölkchen trübt den Anblick, das Wasser im Hafen ist spiegelglatt.
Da das Boot seit einigen Tagen wieder bereit für die neue Saison ist, entscheiden der Lieblingszweibeiner und ich uns für eine Tour mit dem Versuch, Kegelrobben zu sehen.
Also stehen wir morgens früh auf, halten das Frühstück kurz und ziehen mit Hund und Kegel gen Hafen, wo es dann heißt "Leinen los!".

How much is the fish?!

Die Fahrt startet erstaunlich ereignislos, die Angler versuchen, so viel Hering wie möglich in ihre Gummiboote zu ziehen und ankern dabei auch gern mal in der Fahrrinne, was für uns drum herum fahren heißt. Die Hunde sind gut drauf, Rocky und Sunny schauen den Anglern zu, Cleo schläft.
Mitten auf dem Bodden dann stehe ich im Führerhaus, durch's Fernglas entdecke ich weiter vorne Vogelschwärme, deren Arten ich nicht identifizieren kann. Später sollten sich die Tiere als Eiderenten und Eisenten herausstellen.
Ich entschließe mich, mal das Pubertier zu wecken und mit ihr frische Luft schnappen zu gehen, vielleicht will sie ja auch mal pieseln. Das Geschirr ist auf Bootsfahrten immer an den Hunden dran, da bin ich Schisser. Sicherheitshalber hake ich allerdings auch den Karabiner der Leine in Cleos Geschirr ein, sicher ist besser, wie Mutti immer so schön sagt.
Wir bewegen uns vorsichtig an der Reling entlang, das Boot fährt ruhig und langsam über das glatte Wasser, um uns herum starten einige Eisenten zum Flug und alles ist ganz wunderbar.
Um noch in Ruhe einen Moment die Vögel zu beobachten, vertäue ich Cleos Leine an der Reling.
Nur eine Millisekunde schaue ich Richtung Heck und im nächsten Augenblick gibt es neben mir ein lautes Geräusch. Ein sehr lautes Geräusch. Ein PLATSCH!

Cleo ist während der Fahrt von Bord gesprungen, paddelt nun eifrig an der Leine neben dem Boot her.
Schon greife ich zu, ziehe an der gottseidankzuvorfestgemachten Leine und schreie mir die Seele aus dem Leib, damit Herrchen das Boot zum halten bringt. Mit einer Hand hebe ich 25 Kilo aus dem Wasser, das Pubertier ist klatschnass, schüttelt sich, reibt sich an meinem Bein und durchnässt mir mit ihrem triefenden Fell auch noch die Schuhe.
Der Ausdruck in ihrem Gesicht sagt eindeutig: "Das war toll, Frauchen, können wir das nochmal machen?!"
Langsam ebben Panik und Adrenalin ab und Wut tritt an ihren Platz. Wut auf mich, dass ich eine Millisekunde nicht aufgepasst habe und Wut auf den übertrieben wasserbegeisterten Labrador, dessen Fell nun weiterhin alles durchnässen wird, von Herrchens Schuhen bis hin zum Teppich im Führerhaus.
Mir stellt sich die Frage, warum zum Henker ich eigentlich kein großes Hundehandtuch dabei habe.
Habe ich mir tatsächlich eingebildet, dass nichts passieren würde?
Dass sich im Hirn des Pubertiers nicht von jetzt auf gleich dieser magische Schalter umlegen würde, quasi der kleine Teufel auf der Schulter, der Cleo leise einflüstert: "Tu es! Es wird großartig! Tu es einfach! Tu es JETZT!"
Schön. Schön dumm. Von mir. Ich hätte es doch besser wissen können, eigentlich hätte ich es sogar besser wissen müssen!

Einfach schwimmen, einfach schwimmen, einfach schwimmen schwimmen schwimmen!

Da das Kind nun im übertragenen Sinn bereits in den Bodden gefallen ist, bleibt mir nichts anderes übrig, als das Notfall - Mini - Handtuch aus meinem Rucksack zu zücken und Cleo notdürftig abzurubbeln, um den Kreislauf in Schwung zu bringen.
Im Führerhaus ist es warm und trocken, nach ihrem Abenteuer legt sie sich einfach wieder hin und schläft weiter, als wäre nichts passiert.
Zwei Stunden später sehen wir dann noch unsere Robbe, eigentlich haben wir den Rückweg bereits angetreten, uns schon damit abgefunden, dass wir zwar tolles Wetter erwischt und schöne Natur, doch keine Robben gesehen haben.

Doch da ist sie.
Auf einmal, völlig unvermittelt, taucht eine Kegelrobbe steuerbord (für Landratten: rechte Seite vom Boot) auf, höchstens 3 Meter vom Bootsrumpf entfernt nimmt sie in Augenschein, was da Krach und so eine Welle macht.
So schnell wie sie auftaucht, taucht sie auch wieder ab und auf und ab, jeweils nur wenige Sekunden, aber es reicht, um alle Felllosen an Bord in nahezu euphorische Stimmung zu versetzen.


Der Rest der Fahrt und auch des Sonntags verläuft zum Glück ruhig, anscheinend hat Cleo sich bei ihrer Paddeltour so verausgabt, dass sie den restlichen Tag verschlafen muss.

Zzzzzzzz....
Und die Moral von der Geschicht': Traue Pubertieren nicht!

Kommentare

  1. So etwas kann immer passieren - und die Gefühlspalette reicht dann wirklich von Panik über Erleichterung bis hin zu Wut und Frustration. Auch bei uns ist das oft nicht anders und jeder Hund schafft so ganz eigene bleibende Erinnerungen an seine Husarenstücke :) Auch ich habe mich schon sehr über ein nicht mitgenommenes Hundebadetusch geärgert - aber wer rechnet schon damit, dass Hund in den Zimmerbrunnen bei Freunden springt ;)

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

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    1. Ups. So ein Zimmerbrunnen ist aber auch ein tückisches Teil. Dran pieseln soll man nicht, draus saufen soll man nicht und drin schwimmen auch nicht. Voll unsinnig eigentlich.
      Ich lache gerade ziemlich heftig, bei der Vorstellung, wie das ausgesehen haben muss ;)

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